Sie haben sicher schon vom geschlechtsspezifischen Lohngefälle gehört. Vielleicht wissen Sie sogar etwas über die Lücke in der Gesundheitsforschung. Aber wussten Sie, dass es eine dritte, ebenso frustrierende Ungleichheit gibt, von der Millionen von Frauen im Schlafzimmer betroffen sind? Sie wird als „Lustgefälle“ (manchmal auch als „Orgasmusgefälle“ bezeichnet) bezeichnet, und es ist an der Zeit, dass wir darüber sprechen.
Was ist die „Lustlücke“?
Die „Lustkluft“ bezeichnet das Ungleichgewicht bei der sexuellen Befriedigung zwischen Männern und Frauen. Und hier schon mal ein kleiner Spoiler: Frauen haben deutlich weniger Freude am Sex.
Eine groß angelegte Studie aus dem Jahr 2024, an der über 24.000 Erwachsene in den USA teilnahmen, ergab, dass die Orgasmus-Kluft immer noch sehr real und nach wie vor sehr ungleich ist.
- Männer (alle sexuellen Orientierungen): geben an, in etwa 70–85 % der sexuellen Begegnungen einen Orgasmus;
- Frauen (alle sexuellen Orientierungen): geben an, nur 46–58 % der sexuellen Begegnungen;
- Männer, die Sex mit Männern haben: geben weiterhin die höchste Orgasmushäufigkeit an;
- Frauen, die Sex mit Frauen haben: berichten von deutlich höheren Orgasmusraten als heterosexuelle Frauen;
- Heterosexuelle Frauen: sind nach wie vor die Gruppe, bei der die Wahrscheinlichkeit eines Orgasmus beim Sex mit einem Partner am geringsten ist.
Wenn es um ersten Sex mit einem neuen Partner, haben frühere Studien nach wie vor Gültigkeit: Einrund 80 % der Männer geben an, beim ersten Mal zum Orgasmus zu kommen, undnur 40 % der Frauen geben das Gleiche an.
Also nein, das geht nicht nur dir so. Die Zahlen zeigen ein klares Muster der Ungleichheit beim Orgasmus.
Warum gibt es diese Lustkluft?
Entgegen veralteten Mythen liegt das nicht daran, dass Frauen „schwieriger zu befriedigen“ sind. Tatsächlich zeigen Studien, dass 39 % der Frauen bei jeder Masturbation einen Orgasmus erleben, während dies beim Sex mit einem Partner nur bei 6 % der Fall ist.
Was läuft also schief, wenn wir nicht auf eigene Faust unterwegs sind?
1. Mangelndes Verständnis der weiblichen Anatomie
Fangen wir mit den Grundlagen an. In einer britischen Umfrage:
- Nur 37 % der Befragten konnten die Klitoris richtig identifizieren;
- Nur 51 % konnten die Schamlippen lokalisieren.
Das ist ein Problem, denn die Klitoris mit ihren 8.000 Nervenenden ist das Epizentrum der weiblichen Lust. Dennoch geben weniger als 19 % der Frauen an, allein durch penetrativen Sex zum Orgasmus zu kommen. Wenn wir diese Lustlücke schließen wollen, müssen wir uns mit der Klitoris auseinandersetzen und uns selbst sowie unsere Partner darüber aufklären, was tatsächlich funktioniert.
2. Der männliche Orgasmus steht im Vordergrund
Kulturell gesehen betrachten wir penetrativen Sex nach wie vor als das „Hauptereignis“ und den männlichen Orgasmus als das große Finale. Doch diese engstirnige, heteronormative Sichtweise auf Sex lässt viele Frauen aus der Gleichung des Lustempfindens außen vor.
Erfahrungen wie:
- Oralsex;
- Sinnliche Massage;
- Gegenseitige Masturbation
werden oft als „Vorspiel“ abgetan, obwohl sie weitaus häufiger zum weiblichen Lustempfinden führen. Wir müssen die Sichtweise ändern: in den Medien, in Beziehungen und in unseren eigenen Köpfen, um der sexuellen Befriedigung von Frauen den gleichen Stellenwert einzuräumen.
3. Scham und Schweigen
Trotz der zunehmenden Beliebtheit sexpositiver Podcasts und bestärkender Gespräche fällt es vielen Frauen immer noch schwer, ihre Wünsche zu äußern. Jahrelanges „Slut-Shaming“ und gesellschaftliche Prägungen haben es schwierig gemacht, sich zu äußern, und noch schwieriger, nach dem zu fragen, was wir wollen. Aber die Wahrheit ist: Du verdienst es, Lust zu empfinden. Und du verdienst es, selbstbewusst dafür einzustehen.
Wie lässt sich die Lustlücke schließen?
Bist du bereit, deine sexuelle Geschichte neu zu schreiben? So fängst du an.
Lerne deinen Körper und deinen Geist kennen
Masturbation macht nicht nur Spaß – sie ist auch lehrreich. Wenn du deinen Körper alleine erkundest, hilft dir das dabei:
- Finde heraus, was dich antörnt;
- Lerne deine Lustbahnen kennen;
- Gewinnen Sie Vertrauen in Ihre Wünsche.
Probiert ethischen Porno aus, experimentiert mit verschiedenen Techniken und achtet darauf, was sich gut anfühlt. Bringt dieses Wissen dann in eure Erfahrungen mit dem Partner ein.
Sprich mit deinem Partner darüber
Dein Partner kann keine Gedanken lesen, und jeder Mensch ist anders. Der Schlüssel zu besserem Sex ist eine klare, ehrliche Kommunikation.
Wenn es dir unangenehm ist, über Sex zu sprechen, versuche Folgendes:
- Fantasien oder Wünsche aufschreiben;
- Sich gegenseitig beim Masturbieren zusehen;
- Durch Körpersprache oder geführte Berührungen.
Je mehr man miteinander teilt, desto erfüllender wird das Sexualleben.
Übe radikale Selbstliebe
Echte sexuelle Selbstbestimmung beginnt mit Selbstwertgefühl. Wenn du davon überzeugt bist, dass du Lust verdienst, ist es wahrscheinlicher, dass du:
- Setzen Sie sich für Ihre Bedürfnisse ein;
- Grenzen setzen;
- Steh zu deiner Sexualität.
Probier es mal mit „Power-Posen“, positiven Affirmationen oder schreib dir doch einfach einen Liebesbrief an dich selbst. Mach dir bewusst: Du hast es verdient, jedes Mal unglaublichen Sex zu haben.
Bei der „Lustkluft“ geht es nicht nur um Orgasmen, sondern um Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Freude. Um sie zu schließen, muss man veraltete Normen hinterfragen, seinen Körper annehmen und höhere Ansprüche an das eigene Sexualleben stellen.
Wir bei Lunette sind davon überzeugt, dass Lust ein Menschenrecht ist und dass jeder Mensch das Recht hat, sich selbstbestimmt, gut informiert und erfüllt zu fühlen. Lasst uns also den Dialog fortsetzen, Tabus brechen und eine Welt schaffen, in der Lust gleichberechtigt geteilt wird.
Foto: mit freundlicher Genehmigung von Pinterest