Offen mit Kindern über die Periode sprechen – Wo fängt man an?

Offen mit Kindern über die Periode sprechen – Wo fängt man an?

Seien wir mal ehrlich: Die Periode ist keine große Sache. Und es ist wichtig, dass Ihr Kind das schon früh lernt, damit es sich wegen etwas, das völlig natürlich ist, keinen Stress macht. Dieses Gespräch sollte gut geführt werden, aber du musst dir keine Sorgen machen. Behandle es wie jedes andere Gespräch über Gesundheit und den Körper, denn genau das ist es auch. Du bist bereits ein Profi im offenen Reden, also lass uns gemeinsam schauen, wie du das Thema Periode mit deinem Kind oder Teenager auf gesunde, positive und vorurteilsfreie Weise ansprechen kannst.

Wann sollte ich das Gespräch beginnen?

Es gibt keine feste Regel dafür, wann man mit seinen Kindern über die Periode sprechen sollte (ja, auch Kinder, die noch keine Periode haben, müssen darüber Bescheid wissen). Oft sprechen sie das Thema von sich aus an – vor allem, wenn sie eine Menstruationstasse oder eine Binde entdecken und fragen: „Was ist das?“ Das ist Ihr Stichwort, um einen offenen, ehrlichen Dialog zu beginnen.

Wenn Ihr Kind etwa sieben Jahre alt ist und noch keine Fragen gestellt hat, ist es an der Zeit, das Thema behutsam anzusprechen. Das durchschnittliche Alter für den Beginn der Menstruation liegt zwar bei 12 Jahren, doch manche Kinder kommen bereits mit acht Jahren in die Pubertät. Wenn Sie schon vor dem Einsetzen der Periode darüber sprechen, sorgen Sie dafür, dass sich Ihr Kind gut informiert und gestärkt fühlt – und nicht verwirrt oder verängstigt.

Profi-Tipp: Pack ein paar Hygieneartikel für die Periode in die Schultasche, damit sie nie unvorbereitet sind.

Welches Menstruationsprodukt soll ich meinem Kind geben?

Es hängt davon ab, womit sich Ihr Kind oder Ihr Teenager wohlfühlt. Jüngere Kinder bevorzugen oft Binden, da Tampons anfangs einschüchternd wirken können. Wenn Ihr Kind bereits seine Periode hat, ist eine Menstruationstasse eine fantastische Option, insbesondere für Jugendliche, die Sport treiben oder längeren Schutz ohne Auslaufen wünschen. Die Verwendung einer Menstruationstasse erfordert ein grundlegendes Verständnis der Anatomie. Wenn Ihr Teenager nicht gerne mit Ihnen über Körperteile spricht (was verständlich ist), geben Sie ihm unseren Anatomie-Leitfaden, damit er ihn selbst erkunden oder gemeinsam mit Ihnen lesen kann.

Wie soll ich über die Menstruation sprechen?

Das Wichtigste, worauf Sie achten sollten: Verwenden Sie die korrekte Terminologie für Körperteile und Körpervorgänge. Warum? Wenn Sie dieses Gespräch mit Euphemismen wie „die Tage“, „da unten“ oder „die Periode“ beschönigen, wird Ihr Kind völlig widersprüchliche Botschaften erhalten.

Auch wenn es als Erwachsener Spaß machen kann, diese Begriffe zu verwenden, zementieren sie doch die Vorstellung, dass die Periode etwas Schlechtes, Beängstigendes und etwas ist, das man verbergen muss. Wenn du sie in Gegenwart deiner Töchter verwendest, könnten diese eine ungesunde Einstellung gegenüber ihrer Periode und ihrem Körper entwickeln – das ist nicht gut.

Hier ist ein Beispiel dafür, was Sie stattdessen sagen könnten:

„Jeden Monat haben Menschen mit einer Gebärmutter Blutungen aus der Scheide. Das nennt man Periode. Menstruationsprodukte dienen dazu, das Blut aufzufangen, damit es nicht auf die Unterwäsche gelangt.“

Natürlich haben nicht nur Mädchen ihre Periode. Auch Transgender-Jungen, agender Menschen, nicht-binäre Menschen und Cisgender-Frauen können eine Blutung aus der Gebärmutter haben. Wenn du mit deinem Kind darüber sprechen möchtest, lest doch gemeinsam diesen Artikel. Darin erfährst du alles, was du über die Periode und Geschlecht wissen musst.

Muss man darauf achten, dass die Inhalte „altersgerecht“ sind?

Das ist ein Satz, vor dem du keine Angst haben musst. Solange du bei allen körperlichen Themen die richtigen Begriffe verwendest, brauchst du dir keine Sorgen zu machen, dass du zu viel sagst – besonders wenn es um die Periode geht.

Bonnie J. Rough, Autorin von „Beyond Birds and Bees: Bringing Home a New Message to Our Kids About Sex, Love, and Equality“, drückt es so aus:

„Kinder sind sehr neugierig. Nutzen Sie das aus. Haben Sie keine Angst, zu viel zu sagen: Ein Kind versteht nur das, wofür es bereit ist.“

Falls Sie sich immer noch unsicher sind, finden Sie weitere Anhaltspunkte im AMAZE-Altersleitfaden zur sprachlichen Komplexität.

Muss es unbedingt ein großes Gespräch sein?

Nein. Tatsächlich ist es viel besser, das Thema „Menstruation“ mit deinen Kindern in einer Reihe von Gesprächen anzusprechen. So fühlt es sich nicht wie ein einziger großer, beängstigender Moment an. Außerdem sind Gespräche zwar toll, aber aktive Normalisierung ist um Längen besser. Die Periode ist ein akzeptierter Teil des menschlichen Alltags, und diese Botschaft zu vermitteln, ist das A und O.

Tipp: Du könntest eine Menstruationstasse oder eine Packung Tampons gut sichtbar liegen lassen, anstatt sie im Badezimmerschrank zu verstecken. Du könntest auch über deinen eigenen Zyklus sprechen, um zu zeigen, dass du dich mit der Periode zu 100 % wohlfühlst (achte darauf, eine positive Sprache zu verwenden, um keine Ängste oder Verwirrung auszulösen).

Es ist sehr wirkungsvoll, deinen Kindern eine positive Einstellung zur Periode zu vermitteln. Du hilfst ihnen dabei, eine gesunde Beziehung zu ihrem Körper und zu anderen Menschen aufzubauen. Indem du die Menstruation als etwas Normales darstellst und Vorurteile abbaut, schaffst du Raum für informierte, selbstbewusste und mitfühlende zukünftige Erwachsene. Und das ist ein Vermächtnis, für das es sich lohnt, Blut zu vergießen.

 Foto: mit freundlicher Genehmigung von Pinterest